
„In Stahl und Glas werden die Ausrufezeichen des Wirtschaftswunders an der südlichen Pforte des Ruhrgebiets errichtet.“
– Süddeutsche Zeitung, 1. August 1958
„Dreischeibenhaus“, 1964-2010 „Thyssenhaus“, seit 2010 wieder „Dreischeibenhaus“
Architekten: Helmut Hentrich, Hubert Petschnigg, Fritz Eller, Erich Moser, Robert Walter (heute HPP Architekten, Eller, Moser und Walter trennten sich im Laufe ihrer Karriere jedoch von Hentrich und Petschnigg)
Bauzeit: 1957-1960, 1988 unter Denkmalschutz gestellt, Sanierung 1994, 2015 (durch HPP erfolgt)
Bauherr: Phoenix-Rheinrohr AG Vereinigte Hütten- und Röhrenwerke (ab 1964 Thyssen), hat die Stahlrohre der Tragkonstruktion außerdem selbst hergestellt

„Ich erinnerte mich an einem ruhigen Wochenende in Wallersheim an ein Grundrißsystem, das ich in Berlin während meiner Studienzeit kennengelernt hatte. Es war ein Flursystem, das zweibündig durch Überschneidung auch den Vorteil einer dreibündigen Anlage bot. Dieses System war einmal von den Berliner Architekten Mebes und Emmerich entwickelt worden. Dort handelte es sich um Schulgrundrisse. Die Anwendung auf unser Projekt stieß aber auf unüberwindliche Schwierigkeiten, da das Grundstück das zur Verfügung stand, nicht in der Länge ausreichte. Es fehlten mindestens zehn Meter. Ich glaubte aber, daß bei vergrößertem Grundstück, sowohl in künstlerischer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht, eine ungewöhnliche Lösung möglich sei. Wir arbeiteten auch diesen Entwurf aus, mit dem Risiko, mit dieser Konstruktion aus dem Wettbewerb auszuscheiden. Beide Arbeiten wurden eingereicht und kurz vor Weihnachten kam es zur Entscheidung, die allen Beteiligten im Malkasten bekanntgegeben wurde. Ein etwas peinliches Verfahren. Wir erhielten den ersten Preis für den ersten Lösungsvorschlag. Die zweite fand Beachtung, scheiterte aber an der Grundstücksfrage. Petschnigg und ich fanden aber das zweite Projekt viel besser. Im Büro war man unterschiedlicher Meinung. Wir setzen alles daran, eine Korrektur der Grundstücksgrenze zu erreichen. Die städtische Verwaltung schloß eine Änderung des Bebauungsplanes nicht mehr aus. Der verunsicherte Vorstand beschloß, sich amerikanische Verwaltungsbauten anzusehen und eventuell auch Stellungnahmen namhafter amerikanischer Architekten einzuholen. Es kam erneut zu einer Amerikareise. Wir besuchten Skidmore, Owings und Merril, die damals auf dem Gebiet des Verwaltungsbaues führend waren. Mr. Bunshaft, der Leiter der Entwurfsabteilung, nahm sich alle erforderliche Zeit, um sich in beide Planungen zu vertiefen. Nach langer Überlegung und ausführlicher Diskussion erklärte er mit aller Entschiedenheit und ohne Vorbehalt ‚Sie können Ihr Projekt nur nach ihrem zweiten Entwurf bauen. Sie müssen das Grundstück erweitern‘. Diese Aussage war für den Vorstand ausschlaggebend. Die Last der Entscheidung war von ihren Schultern genommen, es kam zur Auftragsvergabe und zur Durchführung. […] Das ursprüngliche ‚Dreischeibenhaus‘, später ‚Thyssenhaus‘ benannt, wurde unser größter Erfolg.“
aus Helmut Hentrich „Bauzeit – Erinnerungen aus dem Leben eines Architekten“



2011 wechselte das Dreischeibenhaus seinen Besitzer. Die MOMENI Gruppe und Black Horse Investments übernahmen das Gebäude von ThyssenKrupp und beauftragten HPP Architekten als Urheber mit der Sanierung des denkmalgeschützten Hochhauses. Wie ich finde, ist HPP sehr sorgsam mit diesem eigenen, wichtigsten Erbe umgegangen.



Die Glasscheiben schließen nicht mit dem Rahmen ab, die ursprüngliche Primärfassade wird zur Blendfassade, der Raffstore scheint innenliegend, ist aber vor der Primärfassade angebracht und wirkt bauphysikalisch auch so. Energetisch ist das Dreischeibenhaus im 21. Jahrhundert angekommen. Der Unterschied fällt nur auf, wenn man genau hinschaut und verändert nicht ästhetische Wirkung und Materialität der denkmalgeschützten Fassade. Trotz dieser Maßnahme geht keine Nutzfläche verloren. Die Dezentralisierung der Haustechnik brachte stattdessen sogar ein Gewinn von 1.200m² Fläche.

Quellen:
Helmut Hentrich: Bauzeit – Erinnerungen aus dem Leben eines Architekten, ISBN: 978-3770010370
hpp.com/projekte/fallstudien/dreischeibenhaus/
de.wikipedia.org/wiki/Dreischeibenhaus
Hinterlasse einen Kommentar