Ich liebe die Halde Hoheward zu unmöglichen Tageszeiten, zu denen man den Berg ganz für sich allein hat. Hier findet man eine beeindruckende, kalte Einsamkeit.
Wie ist dir nun,
meine Seele?
Von allen Märkten
des Lebens fern,
darfst du nun ganz
dein selbst genießen.

Jedes Mal, wenn ich diese Halde zu ungewöhnlichen Tages- und Jahreszeiten und bei seltsamen Wetterlagen bestieg, herrschte eine besondere Stimmmung. Nur das eine Mal, an einem heißen Sommertag, als alles voll von Leuten war, hat mich dieser Ort gelangweilt.
Keine Frage
von Menschenlippen
fordert Antwort.
Keine Rede
noch Gegenrede
macht dich gemein.
Nur mit Himmel und Erde
hältst du
einsame Zwiesprach.
Und am liebsten
befreist du
dein stilles Glück,
dein stilles Weh
in wortlosen Liedern.
Etwa 100 Meter muss man die Stufen nach oben erklimmen. Oben angekommen war es nicht nur einmal, als sei ich auf einem anderen Planeten gelandet. Ganz anders sieht die Welt von hier oben aus. Viel höher ist man, als man von unten erwartet hatte und ganz allein auf einem wunderschönen Stern: Eine Welt zu Füßen, nur für einen selbst.

Es ist eine schöne Einsamkeit, die einen dort oben erwartet. Sie ist nicht traurig, vielleicht mal melancholisch.

Der Dampf der Kühltürme verfliegt im blauen Himmel. Absurde industrielle Riesen im deindustrialisierten Ruhrgbiet; mystische Zeugen einer für mich fast prähistorischen Vorzeit.

Dann überschreitet der ferne Feuerball den Horizont und die ganze Welt wird in goldenes Licht getränkt. Die Sonnenstrahlen wärmen, wo man gerade noch im kalten Wind gefroren hat.

Ein strenger, geometrischer Kreis erhebt sich, der Kirchtürme und Sendemasten umpusten könnte, so scheint es.
Ein Anblick so intensiv, so unwirklich schön, das man selbst fast umgepustet wird.
Und dann erwacht die Welt zum Leben. Bäume, Häuser, Autos, Pflanzen, alles wird wieder wirklich: Aufwachen aus einem ätherischen Traum in eine freundliche Welt.

Plötzlich gibt es wieder andere Menschen.

Wie ist dir nun,
meine Seele?
Von allen Märkten
des Lebens fern
darfst du nun ganz
dein selbst genießen.

Und letztenendes: Der Weg zurück vom fremden Stern; ins echte Leben mit all seinen Unwegbarkeiten und Annehmlichkeiten.
Die Gedichtsstrophen sind aus „Am Meer“ von Christian Morgenstern (1871-1914)
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