Entwurfsaufgabe
In Zeiten zunehmender politischer Polarisierung, sehen sich gewählte Volksvertreter immer häufiger der aufgeladenen Situation ausgeliefert. Mit dem Rechtsruck der letzten Jahre kommt es immer wieder zu Gewaltausbrüchen. Auf der anderen Seite des politischen Spektrums sehen sich Teile des Klimaprotests in ihrer Ohnmacht zu Sachbeschädigungen gedrängt.
Nachdem Architektur im Verlauf der Menschheitsgeschichte meist wehrhaft sein musste, brachte die Moderne eine wunderbar fragil erscheinende Leichtigkeit und Transparenz mit sich. Berücksichtigen Sie in Ihrem Entwurf die Frage, ob die Transparenz und Leichtigkeit der klassischen Moderne noch zeitgemäß sein kann, oder ob Sie eine schützende Festung für die Kommunalpolitiker planen müssen.
Ihre Aufgabe besteht darin, ein neues Rathaus für eine mittelgroße Stadt zu entwerfen. Entgegen der Aufgaben, die Sie bisher in Ihrem Studium kennengelernt haben, dürfen Sie Ihre Vorstellungen hier „auf der grünen Wiese“ realisieren. Nachdem Sie in ihren ersten zwei Fachsemestern mit Säulenordnung und Ornamenten zu historisierenden Entwürfen gedrängt worden sind, verfallen Sie nun nicht selbst der Versuchung Ihre favorisierte Stilepoche zu kopieren! Knüpfen Sie an, aber finden Sie eigene Formen, Details oder Materialität. Die Stadt, für die das neue Rathaus entstehen soll, bleibt fiktiv.

Berücksichtigen Sie jedoch, dass sich die politischen Strömungen hier mehr entladen, als in einem fränkischen Dorf. Denken Sie an ein ostdeutsches Braunkohlerevier oder Ähnliches. Erlauben Sie sich eine unzeitgemäße Romantisierung der verkehrsplanerischen Grundsätze der Nachkriegsmoderne:
Je nachdem, wie weit Sie Ihren Entwurf ausformulieren, planen Sie ein üppiges Parkhaus und entsprechend Inszenierte Anbindung an den ÖPNV. Auch etwaige Sorgen bzgl. energieintensiver Baustoffe dürfen Sie für dieses Planspiel außen vor lassen. Schaffen Sie einen Ort, den Sie persönlich mit Begeisterung besuchen würden.
Wie tiefgehend Sie ihren Entwurf ausarbeiten möchten und die Art der Präsentation stehen Ihnen frei.
Analyse

Reichstagsgebäude in Berlin: Vor einigen Jahren konnte man noch frei über die Stufen schlendern, inzwischen nur noch mit Anmeldung und Sicherheitsschleuse, bald hinter einem Aha-Graben, geplant aus Angst vor Terror der 00er, heute wahrscheinlich eher gegen Querdenker etc.
Das Reichstagsgebäude als Festungsanlage interpretiert: 4 Türme, ein Burgfried, ein Torhaus, ein Graben

Bundesverfassungsgericht, Karlsruhe im Baumgarten-Bau von 1969: Offenheit und Transparenz, Inszenierung einer jungen Republik. Aufgeständert, ohne Zaun, im Schlossgarten, beschützt von einer kniehohen Kette und einer einzelnen Bundespolizistin.

Entwurf (akt. Stand)



